Bravouröse Pioniere

Die Elektroinstallationsfirma Jeanfavre SA ist ein innovatives Elektrounternehmen mit einem umfassenden Dienstleistungsangebot und ein Pionier im Bereich Hausautomatisierung und MSR-Lösungen.

Das Tätigkeitsfeld des Elektroinstallateurs hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt, da immer leistungsfähigere und benutzerfreundlichere Lösungen für die Gebäudeautomatisierung auf den Markt kommen. Die Weiterentwicklung der IT-Netze und die Energiewende bergen neue Möglichkeiten. Jeanfavre SA beherrscht unterschiedliche Tätigkeitsbereiche – von der Planung bis hin zur Umsetzung. Wir haben uns mit dem Führungsduo des Unternehmens, bestehend aus Jacques Jeanfavre und seinem Bruder Philippe, getroffen, um herauszufinden, wie sie es geschafft haben, alle ihre Geschäftsbereiche auf so innovative Weise abzudecken.

Sie verfügen im Baugewerbe in der Westschweiz über einen exzellenten Ruf als Elektrounternehmen mit grossem Know-how im Bereich der Gebäudeautomatisierung. Wie haben Sie sich diesen Ruf erarbeitet?

Jacques Jeanfavre – Dazu möchte ich Ihnen zunächst etwas über die Glühbirne und ihre Funktionen erklären. Jahrzehntelang hat man Glühbirnen gebaut, die man entweder an- oder ausschalten kann. Danach wurden Dimmstufen und Farbwechsel entwickelt. Heutzutage lassen sie sich in Abhängigkeit vom natürlichen Licht und dem biologischen Rhythmus regulieren. Wir sind der technologischen Entwicklung stets gefolgt.

Auch bei der HLK-Steuerung ...

JJ - Ja, mit Philipps Eintritt in das Unternehmen im Jahr 1998 begannen wir, uns im Bereich der integralen Gebäudeautomatisierung zu engagieren. Der Anfang war nicht leicht. Wir mussten viele Vorurteile überwinden. Die auf Heizung und Belüftung spezialisierten Ingenieurbüros sahen darin nicht unbedingt die Aufgabe eines Elektrounternehmens.

Wir brauchten eine Weile, um uns zu beweisen und solide Referenzen aufzubauen, sodass wir diese Denkweise überwinden konnten.

PJ - Unser Ziel bestand immer darin, Projekte auszuführen, um unsere technischen Fähigkeiten und unseren Ingenieurshintergrund nutzen und auch zeigen zu können. Mittlerweile sind wir für unsere Disziplin und Kompetenz bekannt.

Welche Kenntnisse haben Ihnen dabei geholfen, Ihren innovativen Ansatz zu verfolgen?

JJ - Wir kannten uns natürlich mit unseren Werkzeugen, d. h. mit den Steuerungs- und Hausautomatisierungssystemen sehr gut aus. Der Einsatz dieser Instrumente in den verschiedenen Installationen erfolgte stets auf der Grundlage unserer Erfahrung und mit grösster Sorgfalt. Wir erleben derzeit einen schnellen Wandel. Mittlerweile werden allgemeine Schulungen zur Gebäudetechnik angeboten, aber damals gab es das noch nicht.

Was waren die wichtigsten Grundlagen für Ihren Weg zum Erfolg?

JJ - Die Kenntnis aller belüftungstechnischer und hydraulischer Gebäudeprozesse. Das ist wirklich ein weites Feld. Auf dieser Basis konnten wir einen ganzheitlichen Ansatz für unsere Projekte entwickeln, der es uns ermöglicht hat, sie in ihrer Gesamtheit zu verstehen, und auf diese Weise haben wir uns unseren guten Ruf erarbeitet.

Und das, obwohl die Bereiche HLK und Elektrik voneinander getrennt sind?

PJ - Ja, genau. Bei Ausschreibungen werden diese Bereiche völlig getrennt gehalten. Wir treffen auf Ingenieurbüros, die für die Planung der gesamten Gebäudetechnik verantwortlich sind. Es sind jedoch verschiedene Abteilungen zuständig. Wir möchten dagegen kohärente und ganzheitliche Automatisierungslösungen anbieten.

Für einen Elektroinstallateur haben Sie also eine privilegierte Rolle als ein Koordinator?

PJ - Ja, wir sind zwischen diesen beiden Tätigkeitsfeldern angesiedelt. Wir stellen allerdings fest, dass mittlerweile eine gewisse Öffnung stattfindet und sich die Praktiken allmählich ändern. Dies ist vor allem auf die Standardisierung der Systeme und den weitverbreiteten Einsatz von KNX bei Grossprojekten zurückzuführen.

Dank Ihrer IT-Kenntnis können Sie nicht nur das gesamte „Nervensystem“ eines Gebäudes aufbauen, sondern auch seine IT-Infrastruktur einrichten.

JJ - Wir haben auf unser Kerngeschäft aufgebaut, um uns weiterzuentwickeln. Andere sind gefolgt. Wir bieten mittlerweile ein umfassendes Spektrum von Dienstleistungen an. Unsere Entwicklung lässt sich gut mit dem Sinnbild einer Treppe veranschaulichen.

Wie profitieren Sie heute von diesem über viele Jahre erworbenen Ruf?

PJ - Wir bekommen wirklich immer mehr Aufträge für bestehende Automatisierungsanlagen, die wir übernehmen sollen. Es müssen nachhaltige Lösungen vorgeschlagen werden, da die Finanzierungsprozesse langfristig angelegt sind. Dagegen haben die IT-basierten Technologien einen sehr kurzen Lebenszyklus. Das stellt eine grosse Herausforderung dar.

JJ - Man muss auch die Entwicklungen auf der anderen Seite beachten. Da wir uns im Bereich der Steuerung einen Namen gemacht haben, erhalten wir auch Aufträge für Elektroinstallationen im Zusammenhang mit der Automatisierung der Anlagen.

Es scheint wirklich gut für Sie zu laufen?

JJ - Ja, das kann man so sagen. Die beiden Sektoren profitieren voneinander, was zu einem äusserst starken Synergieeffekt führt.

PJ - Unser Ziel ist es, dies auch mit unseren IT-Aktivitäten zu erreichen. Wir arbeiten bereits intensiv daran. In den letzten beiden Jahren konzentrierten wir uns auf den IT-Bereich, um die gleiche Hebelwirkung zu erzielen. Die Geschichte wiederholt sich hier teilweise, da die Kunden uns zunächst als Elektrounternehmen und nicht als IT-Spezialisten sehen. Wir sind dabei, sie zu überzeugen und zu beweisen, dass wir über grosses Know-how auch in diesem Bereich verfügen.

Können Sie in diesem Bereich auch auf bestehende Erfolge aufbauen, um sich durchzusetzen?

JJ - Wir bemühen uns vor allem um Mitarbeitende, welche die verschiedenen Herausforderungen meistern können. Wie in jedem Unternehmen ist das die Grundvoraussetzung. Man muss über verlässliche und kompetente Mitarbeitende verfügen. Wir legen grossen Wert auf interne Schulungen und die Einstellung qualifizierter Mitarbeitender.

Was wird die Zukunft bringen?

JJ - Wir füllen bereits verschiedene Tätigkeitsbereiche aus. Mit der Energiewende werden weitere hinzukommen. Es bieten sich neue Chancen. Die kommenden Jahre werden spannend.

PJ - Elektroinstallateuren stehen viele Türen offen. Wir schauen voller Zuversicht in die Zukunft. Mein Ratschlag: Man muss den Bereich seiner Spezialisierung mit Bedacht auswählen.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Analysen. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Das Interview erschien in der Ausgabe 4/2021 des EIT.swiss Magazins