Interview Neuausrichtung mit Michael Tschirky

An der Generalversammlung vom 21. Juni 2019 werden den Aktivmitgliedern die neuen Verbandsstatuten und Reglemente zur Genehmigung unterbreitet. Im Interview nimmt Zentralpräsident Michael Tschirky Stellung zu den geplanten Änderungen.

Michael Tschirky, weshalb braucht es überhaupt eine Neuausrichtung?
Unser Verband schaut auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurück. Er wurde gegründet, um den Wildwuchs und die ruinöse Konkurrenz zu bekämpfen. Die Gründer unseres Verbands haben also auf Marktentwicklungen und auf die Bedürfnisse der Branche reagiert. Und diese Tradition führen wir mit der Neuausrichtung unseres Verbands weiter: Wie damals stellen wir wieder wichtige Weichen, um die Herausforderungen von Morgen anzupacken und den Erfolg unserer Branche zu sichern.

Und dafür braucht es eine Statutenänderung?
Es ist Aufgabe des Zentralvorstands, sich mit dem Verband und seiner Entwicklung auseinanderzusetzen. Ziel dabei ist es, den Verband so aufzustellen, dass er die künftigen Herausforderungen meistern und sich für seine Mitglieder erfolgreich einsetzen kann. Die neuen Statuten und die zugehörigen Reglemente sind eine Grundlage dafür.

Aber das ginge doch auch ohne eine Statutenrevision?
Unser Verband ist über 100 Jahre alt und hat bisher nur marginale Statutenänderungen vollzogen. Unsere Branche und unsere Mitglieder erleben demgegenüber zahlreiche technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen. Diese Veränderungen müssen sich auch in der Verbandsstruktur widerspiegeln. Nur so können wir uns auch in Zukunft erfolgreich für die Anliegen unserer Branche – der Elektrobranche – und unserer Mitglieder einsetzen.

Welches sind denn die wichtigsten Änderungen?
Zum einen werden die Statuten verschlankt, vereinfacht und modernisiert. Zum anderen werden neue Reglemente geschaffen. Damit werden wir dem wachsenden Bedürfnis nach Transparenz gerecht. Unser Hauptanliegen ist es, die Aktivmitgliedschaft für all jene Berufsgruppen zu öffnen, die unser Verband selber ausbildet. Neben Elektroinstallationsunternehmen sollen so künftig zum Beispiel auch Unternehmen aus den Bereichen Elektroplanung oder Gebäudeautomation Mitglied werden können.

Weshalb will sich der Verband öffnen?
Zur Elektrobranche der Schweiz gehören alle Unternehmer, die wir selber ausgebildet haben. Das sind wir ihnen als Verband schuldig. Wir wollen nicht, dass ein Teil der von uns ausgebildeten Berufsleute auf der Strecke bleiben. Wir wollen auch ihnen eine Heimat bieten. Branchen- und berufsfremde Unternehmen, z.B. aus der HLKS-Branche, werden wir auch in Zukunft nicht aufnehmen.

Und deshalb können künftig einfach alle Mitglieder werden?
Wenn mit „alle“ jene gemeint sind, die wir selber aus- und weiterbilden, dann ja. Wir bilden Montage-Elektriker, Elektroinstallateure, Elektroplaner und Telematiker (bald Gebäudeinformatiker) aus. Wir bilden junge Berufsleute zu Projektleitern sowie zu dipl. Elektroinstallations- und Sicherheitsexperten oder zu dipl. Elektroplanungsexperten weiter. Ein Teil dieser qualifizierten Fachleute macht sich selbständig. Sie werden zu tragenden Säulen der Zukunft unserer Branche. Wir möchten diesen Unternehmern die Chance geben, sich aktiv bei uns zu engagieren. Wir möchten ihnen den Zutritt zu unserem Verband nicht verwehren. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, weshalb wir Berufsleute aus- und weiterbilden und nachher nicht unter dem Dach der schweizerischen Elektrobranche vereinen.

Was versprechen Sie sich von der Öffnung?
Derzeit vertreten wir nur einen Teil unserer Branche (Installateure und Telematiker). Das schwächt unsere Position und unseren Einfluss gegenüber von anderen Marktakteuren und der Politik. Das wollen und müssen wir ändern, damit wir uns weiterhin erfolgreich für unsere Branche einsetzen können. Wir müssen der starke Vertreter der Elektrobranche werden. Und deshalb sollen alle von uns ausgebildeten Unternehmer künftig Mitglied werden können. Hinzu kommt, dass unsere Berufe zusammen gehören. Das zeigt sich auch im Markt. Viele unserer Unternehmer sind in verschiedenen Bereichen tätig. Weshalb sollen wir auf Verbandsebene eine künstliche Trennung aufrechterhalten, wenn sich unsere Unternehmer und der Markt in eine andere Richtung entwickeln? Das schwächt uns und unser Ansehen. Es schwächt unsere Position gegenüber unseren Auftraggebern und gegenüber Bauherren. Und das will bestimmt niemand von uns.

Ist die Öffnung nicht ein erster Schritt zur Aufweichung der Installationsbewilligung?
Weshalb sollte die Neuausrichtung unseres Verbands die Installationsbewilligung aufweichen? Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun. Ich würde sogar behaupten, dass wir mit der Öffnung sogar das Gegenteil erreichen. Sie stärkt uns. Wir verbessern unsere Position und unseren Einfluss gegenüber anderen Marktakteuren und gegenüber der Politik. Vereint als starke Elektrobranche können wir uns besser für unsere Anliegen einsetzen, denn gemeinsam sind wir stärker. So können wir uns noch besser für die in der NIV geforderte und mit der Installationsbewilligung und der Fachkundigkeit garantierte Sicherheit einsetzen.

Weshalb braucht es einen neuen Namen?
Die angestrebte Öffnung soll sich auch im Verbandsnamen widerspiegeln. Unser aktueller Name steht für Verband Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen, schliesst also alle anderen – sogar die aktuellen Aktivmitglieder aus dem Telematikbereich – aus. Wir wollen künftig aber für alle von uns selbst ausgebildeten Berufsgruppen stehen. Mit dem aktuellen Namen geht das nicht. Deshalb haben wir eine Urabstimmung über den neuen Namen durchgeführt. Diese Urabstimmung hat „EIT.Swiss“ gewonnen. Und diesen Namen schlagen wir unseren Aktivmitgliedern im Rahmen der neuen Statuten vor. Uns ist aber durchaus bewusst, dass Namen emotional und „Geschmackssache“ sind. Trotzdem sind wir davon überzeugt, mit EIT.Swiss einen zukunftsorientierten Namen vorschlagen zu können.

Welche Botschaft möchten Sie den Mitgliedern noch mit auf den Weg geben?
Die Elektrobranche ist ein massgebender Bestandteil der Gebäudetechnikbranche. Das war sie schon immer und das wird sie in Zukunft noch viel stärker sein. Wir sind stolz auf unsere Berufe und unseren einzigartigen und eigenständigen Platz in der Gebäudetechnik. Und diesen Stolz tragen wir auch nach aussen. Wir wollen noch sicht-, spür- und hörbarer werden. Dafür brauchen wir mehr Gewicht. Deshalb bündeln wir unsere Kräfte und öffnen den Verband für alle von uns ausgebildeten Unternehmer – für die schweizerische Elektrobranche.