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Asbest

Jahrzehntelang galt Asbest als das Material der tausend Möglichkeiten, da er wie keine andere Faser für viele technische Produkte optimale Eigenschaften besitzt. Asbesthaltige Produkte wurden unter anderem eingesetzt als Platten, Matten oder Formmassen für den Brandschutz und die Wärmeisolation, als Brems- und Kupplungsbeläge im Fahrzeugbau sowie als Dichtungen bei hohen thermischen oder chemischen Beanspruchungen.

Obschon seit 1990 verboten, findet man auch heute noch in vielen älteren Häusern Asbest, z.B. in Form von Fassadenverkleidungen, Schaltgerätekombinationen (SGK), Dacheindeckungen, Wand- und Bodenbelägen, in Platten hinter Elektroinstallationen, als Rohrisolationen oder in Blumenkisten.

Asbest ist dann gefährlich, wenn er eingeatmet wird. Bereits geringe Konzentrationen von Asbeststaub in der Luft können die Entstehung von Lungen- und Brustfellkrankheiten fördern.

Aus diesem Grunde sind der richtige Umgang und die korrekte Entsorgung von asbesthaltigen Produkten ein zentraler Punkt der Arbeitssicherheit.

Was ist Asbest?

Der Name stammt vom griechischen «Asbestos» und bedeutet «unzerstörbar». Asbest ist eine Gruppe von feinen mineralischen Fasern, die in serpentin- und hornblendehaltigem Gestein vorkommen. Die faserige, beständige Struktur ist die Besonderheit von Asbest. Es gehört wie Glimmer und Bergkristall zu der Gruppe der gesteinsbildenden Silikate. Asbest ist feuerfest, meistens im Felsmaterial eingeschlossen, und manchmal findet man ihn auch an der Oberfläche. Kleinste Mengen Asbest können mit Analysemethoden fast überall nachgewiesen werden. Die Luft, die wir einatmen, enthält in der Regel weniger als 300 lungengängige Fasern pro Kubikmeter. Die Asbestfasern in der Luft stammen teilweise aus der natürlichen Erosion von asbesthaltigem Oberflächengestein oder aus der früheren industriellen Verwendung von Asbest. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen:

  • Serpentinasbeste
  • Amphibolasbeste

Vorkommen

Die grössten Asbestvorkommen befinden sich in Kanada, im Ural und im südlichen Afrika. Weitere ausbeutbare Vorkommen kennt man in Italien, Zypern, Finnland, in Teilen von Süd- und Nordamerika sowie in Australien. Auch in der Schweiz sind rund 50 Asbestlagerstätten bekannt. Wegen der unbedeutenden Mengen wurde Asbest jedoch nur in Poschiavo (GR) und Zeneggen (VS) Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut.

Eigenschaften

Asbest ist bis 1000 °C feuerbeständig, ist widerstandsfähig gegen Laugen und Säuren, besitzt eine geringe elektrische Leitfähigkeit und hat eine hohe thermische Isolierfähigkeit, eine hohe Elastizität und gute Zugfestigkeit, lässt sich gut in verschiedene Bindemittel einarbeiten und ist alterungsbeständig. Dank seinen einzigartigen Eigenschaften wurde Asbest seit ca. 1930 in Industrie und Technik vielfältig eingesetzt.

Gefahren

Bei der Verarbeitung und Manipulation von Asbest entstehen feinste lungengängige Fasern, die eingeatmet werden können. Asbest ist dann gefährlich. Bereits geringe Konzentrationen von Asbeststaub in der Luft können die Entstehung von Lungenkrankheiten wie Pleuraplaque, Asbestose, Lungenkrebs oder Mesotheliom (ein Krebs des Brust- oder Bauchfelles) fördern. Heute als gesundheitsgefährdend eingestufte Mengen Asbestfeinstaub kamen früher in asbestverarbeitenden Industrien und Gewerben vor (Spritzasbest im Industrie- und Waggonbau, Herstellung von Textilien, Bremsbelägen, Dichtungen, Isolationsplatten, Asbestzement).

Weiterverwendung von Altprodukten aus Asbestzement

Messungen des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL (heute Bundesamt für Umwelt BAFU) und weiterer Forschungsstellen bestätigen, dass von verbauten Asbestzementprodukten keine Umweltbelastung ausgeht. So können Asbestzementprodukte wie alte Dach- und Fassadenschiefer, Wellplatten, Fassadenplatten oder Rohre aus Asbestzement bis zum Ende der normalen Gebrauchsdauer ohne Gefahr für Mensch und Umwelt weiter genutzt werden. Asbestzement darf nicht mechanisch bearbeitet werden (sägen, bohren, schleifen), da dadurch Staub und somit Asbestfasern freigesetzt werden können. Asbestzementprodukte sind nicht wiederzuverwenden. Eine solche Wiederverwendung wäre fast zwangsläufig mit einer Staub freisetzenden Bearbeitung verbunden, was potenziell gefährlich und verboten ist. Der Handel mit Asbestzement ist gesetzlich verboten.

Alte Pical-Platten

Bis 1984 wurden asbesthaltige Pical-Brandschutzplatten hergestellt. Diese Asbestleichtbauplatten haben eine andere Zusammensetzung und andere Eigenschaften als Asbestzementplatten. Pical-Platten enthalten leichtgebundenen Asbest. Sie dürfen nicht mechanisch bearbeitet und auch generell keinen mechanischen Belastungen ausgesetzt werden, um Asbestemissionen zu vermeiden. Falls Pical-Platten entfernt werden müssen, muss dies gemäss EKAS-Richtlinie Nr. 6503 (Richtlinie Nr. 6503 der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit) durch von der Suva anerkannte Fachleute erfolgen, um Belastungen durch Staubemissionen während des Rückbaus zu vermeiden. Diese Fachleute können generell zugezogen werden, um die Asbesthaltigkeit von Bauprodukten und den richtigen Umgang mit ihnen abzuklären.

Asbestleichtbauplatten (leichte, asbesthaltige Platten) waren zum Schutz vor Bränden teils vorgeschrieben und sind deshalb stark verbreitet. Die Anwendungsbereiche waren:

Gebäude:

  • Verkleidungen für Brandschutztüren, Heizkörpernischen, Fensterbrettuntersichten
  • Wandverkleidungen, insbesondere für Brandschutzwände
  • Schürzenverkleidung bei Brandschutzwänden
  • Leichtbau-Ständerwände und Elementtrennwand-Systeme
  • Verkleidungen von Treppen- und Deckenuntersichten
  • abgehängte Deckenflächen

Installationen, Betriebstechnik:

  • Einhausungen in der Raumlufttechnik (z.B. Ventilatoren)
  • Belüftungs- und Entlüftungskanäle, Entrauchungskanäle
  • Feuerschutzklappen
  • Abdeckung von Kabelkanälen, Kabeltrassen, Kabelschächten
  • Platteneinlagen in Kabinen von Liftanlagen
  • im Bereich von Heizkesseln
  • Dämmung und Auskleidung von Nachtstrom-Speicheröfen

Elektroinstallationen, Beleuchtung:

  • Hinterlagen bzw. Auskleidungen von Einbauteilen bei Elektroinstallationen
  • Hinterlagen, Unterlagen und Einhausungen von Leuchten

Risiken

Obwohl Asbest akut nicht toxisch ist, besteht immer eine Gefährdung, wenn Feinstaub von Asbest durch die Atmung in die Lungenbläschen gelangt. Asbestfasern weisen eine kristalline Struktur auf und neigen dazu, sich der Länge nach in immer dünnere Fasern aufzuspalten. Diese Fasern werden vom Organismus kaum abgebaut oder ausgeschieden. Durch aggressive Stoffe, mit denen die Fresszellen der Immunabwehr vergeblich versuchen, die Fasern aufzulösen, sowie durch direkte mechanische Einwirkung entstehen Schäden an Gewebe und Erbmaterial von Zellen.
Während ihres jahrelangen Verbleibens im Lungengewebe können die Fasern so verschiedene Krankheiten verursachen, die zum Teil krebsartiger Natur sind. Bereits geringe Asbestfeinstaubkonzentrationen in der Luft können die Entstehung eines Mesothelioms (Tumor des Brust- oder Bauchfells) oder Lungenkrebs fördern. Eine Exposition ist dann kritisch, wenn die Fasern eine Länge von mehr als 5 μm (0,005 mm) haben, die Dicke weniger als 3 μm beträgt und das Verhältnis von Länge zur Dicke grösser als 3:1 ist. Besonders kritisch sind Fasern ab 20 μm Länge. Die Entwicklung der Krankheit kann einen Zeitraum von bis zu 40 Jahren nach Einatmen der Fasern in Anspruch nehmen. Für das individuelle Risiko ist die Zahl der biobeständigen Fasern im Lungengewebe entscheidend. Das Risiko steigt mit der Konzentration der Fasern in der eingeatmeten Luft und der Expositionsdauer. Epidemiologische Studien haben zudem gezeigt, dass die Kombination von Rauchen und Asbestexposition das Risiko für die Entwicklung eines Lungenkrebses überadditiv erhöht. Deshalb ist die Belastung der Bevölkerung durch luftgetragene Asbestfasern so gering wie möglich zu halten. Aufgrund des heutigen Wissensstandes besteht bei der oralen Aufnahme von Spuren von Asbestfasern z.B. im Trinkwasser oder in Nahrungsmitteln keine Gesundheitsgefährdung.

Asbestbedingte Krankheiten

Es gibt vier verschiedene Gruppen von asbestbedingten Krankheiten der Lunge und der sie umgebenden Organe:

  • Pleuraplaques, gutartige Veränderungen des Brustfells
  • Asbeststaublunge oder Asbestose
  • Lungenkrebs
  • malignes Pleuramesotheliom, ein bösartig verlaufender Tumor des Brustfells

Allen asbestbedingten Krankheiten gemeinsam ist ihre lange Latenzzeit. Diese beträgt in der Regel zwischen 15 und 45 Jahren ab Expositionsbeginn.

Zurzeit werden von der Suva pro Jahr rund 70 Erkrankungen anerkannt. Die Zahl stieg seit Mitte der 70er Jahre laufend an. Aufgrund der langen Latenzzeit ist noch kein Rückgang seit dem Ergreifen von verschiedenen Massnahmen zur Reduktion der Staubbelastung zu erkennen. Das Mesotheliom wurde 1969 erstmals nach einem Verwaltungsratsbeschluss von der Suva als Berufskrankheit anerkannt. Ab 1984 Anerkennung nach UVG Art. 9, Abs. 2. Ende der 80er Jahre wurde Asbeststaub in die Liste der schädigenden Stoffe nach UVG Art. 9, Abs. 1 aufgenommen. Seither erfolgt die Anerkennung nach UVG Art. 9, Abs. 1. Symptome treten beim Mesotheliom des Brustfells oft erst spät auf. Bei fortgeschrittener Erkrankung klagen die Betroffenen über Schmerzen im Brustkorb, Atemnot, Husten und Auswurf. Häufig kommt es zur Ansammlung von Flüssigkeit um die Lunge (Pleuraergüsse). Beim selteneren Mesotheliom des Bauchfells stehen zunächst unklare Bauchbeschwerden, Verstopfung und Flüssigkeitsansammlung im Bauch im Vordergrund. In späteren Stadien kann sich ein Darmverschluss entwickeln.

Was tun bei Krankheitsverdacht?

Asbestbedingte Erkrankungen treten erst Jahrzehnte, nachdem Personen Asbest ausgesetzt waren, auf. Wird vermutet, dass eine Erkrankung ihren Ursprung in einer beruflichen Tätigkeit mit asbesthaltigem Material haben könnte, so soll der behandelnde Arzt oder der betroffene Patient die Erkrankung der Unfallversicherung des aktuellen oder letzten Arbeitgebers melden (auch wenn die betroffene Person bereits pensioniert ist).

Risiken für die Allgemeinbevölkerung

Das Risiko, durch Einatmen von Asbestfasern zu erkranken, ist von der im Lauf der Zeit akkumulierten Faserdosis abhängig. Für die Allgemeinbevölkerung ist das Risiko in der Regel gering. In einzelnen Fällen können asbesthaltige Bauprodukte die Raumluft belasten und das Risiko längerfristig erhöhen. Die grössten Risiken können dann auftreten, wenn wiederholt unachtsam mit asbesthaltigen Materialien umgegangen wird.

Risiken für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer, welche Asbestsanierungen vornehmen, sind einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Deshalb gelten für den Umgang mit Spritzasbest und anderen schwachgebundenen asbesthaltigen Materialien erhöhte Schutzvorschriften. Diese sind in der Richtlinie der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS-Richtlinie Nr. 6503) geregelt.

Arbeitnehmerschutz

Gemäss Art. 82 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG, SR 832.20) ist der Arbeitgeber verpflichtet, zur Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten alle Massnahmen zu treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind. Anderseits sind auch die Arbeitnehmer verpflichtet, den Arbeitgeber in der Durchführung der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten zu unterstützen. Sie müssen insbesondere persönliche Schutzausrüstungen benützen, die Sicherheitseinrichtungen richtig gebrauchen und dürfen diese ohne Erlaubnis des Arbeitgebers weder entfernen noch ändern.
Die Sanierung von schwachgebundenem Asbest ist in der EKAS-Richtlinie Nr. 6503 geregelt und darf nur von Spezialfirmen durchgeführt werden. Arbeitnehmer, welche Sanierungsarbeiten im Zusammenhang mit spritzasbesthaltigen Materialien vornehmen, sind der arbeitsmedizinische Vorsorge der Suva unterstellt. Diese umfassen Erstuntersuchungen vor Aufnahme der Beschäftigung und Nachuntersuchungen während und nach Beendigung der Beschäftigung. Jugendliche bis zum 19. und Lehrlinge bis zum vollendeten 20. Altersjahr dürfen nicht für Arbeiten mit Spritzasbest und anderen schwachgebundenen asbesthaltigen Materialien eingesetzt werden.

Versicherungsleistungen

Die meisten Erkrankungen durch Asbest resultieren aus beruflichen Tätigkeiten. Krankheiten, die ausschliesslich oder überwiegend durch die berufliche Tätigkeit oder durch schädigende Stoffe und bestimmte Arbeiten gemäss der Liste nach Anhang 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV, SR 832.202) verursacht werden, gelten als Berufskrankheiten. Diese werden im Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG, SR 832.20) den Berufsunfällen gleichgestellt. Die Leistungspflicht liegt bei jenem Versicherer, bei dem die Versicherung bestanden hat, als der Versicherte zuletzt durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten oder berufliche Tätigkeiten gefährdet war. Die Leistungen der Unfallversicherer bei Berufskrankheiten umfassen die Kosten der Heilbehandlung, Kostenvergütungen und Geldleistungen.

Bei Krankheiten, welche nicht auf eine berufliche Tätigkeit zurückgehen, werden Leistungen auf der Grundlage des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) erbracht.

Sanierung

Sanierungsbedarf besteht, wenn von asbesthaltigen Materialien ein gesundheitliches Risiko ausgeht. Die Dringlichkeit der Sanierung hängt von verschiedenen Parametern ab. Grosse Dringlichkeit besteht bei allen Formen von schwach gebundenem Asbest, vor allem bei Spritzasbest, weil dort am leichtesten Fasern freigesetzt werden. Zu untersuchen ist auch, ob die Oberfläche des Materials Beschädigungen aufweist, ob physikalische oder mechanische Beanspruchungen auftreten und inwieweit das asbesthaltige Material Personen direkt oder indirekt zugänglich ist. Selbstverständlich spielt auch die Raumnutzung eine wichtige Rolle. Regelmässig benutzte Räume haben einen höheren Sanierungsbedarf als nur selten benutzte.

Platten, die mechanischen Einflüssen, Vibrationen, stärkeren Luftbewegungen oder Erschütterungen ausgesetzt sind, sollten entfernt werden. Dies gilt insbesondere für auf beweglichen Teilen montierte Platten und Platten mit beschädigter Oberfläche. Das Demontieren von Asbestleichtbauplatten ist besonders gefährlich und professionellen Asbestsanierungsfirmen vorbehalten. Wegen des hohen Risikos dürfen Laien asbesthaltige Leichtbauplatten auch nicht übermalen.

Die Sanierung von Asbestaltlasten ist in der EKAS-Richtlinie Nr. 6503 geregelt und darf nur von Spezialfirmen durchgeführt werden, welche über Fachpersonal mit dem nötigen Fachwissen verfügen. Diese sind zudem verpflichtet, Sanierungen von schwach gebundenem Asbest der Suva zu melden. Die Richtlinie schreibt auch Schutzmassnahmen wie das Tragen von Atemschutzgeräten, Schutzanzügen und die Abschottung des Sanierungsplatzes und das Aufstellen von Warntafeln vor. Die erfolgreiche Sanierung von schwach gebundenem Asbest ist durch eine abschliessende Kontrollmessung zu belegen.

Bei fest gebundenem Asbest ist die Sanierung weniger aufwendig. Die Factsheets der Suva Nr. 33036.d «Sanierung von asbesthaltigen Leichtbauplatten durch anerkannte Firmen» und Nr. 33031.d «Entfernen von asbesthaltigen Faserzementplatten im Freien» informieren über die korrekte Vorgehensweise. Wichtig ist, jegliche Staubentwicklung zu vermeiden.

Verbot

Am 1. März 1989 ist in der Schweiz ein weitgehendes Asbestverbot in Kraft getreten. Es umfasst heute sowohl die Verwendung von Asbest als auch die Abgabe, die Einfuhr und die Ausfuhr asbesthaltiger Zubereitungen und Gegenstände (Anhang 1.6 der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung vom 18. Mai 2005, SR 814.81).

Das Asbestverbot untersagte die Verwendung der meisten asbesthaltigen Erzeugnisse und Gegenstände ab 1. März 1990. Für bestimmte Anwendungen gab es Übergangsfristen bis 1. Januar 1995. Die Anwendung von Spritzasbest wurde bereits 1975/1976 eingestellt.

Asbest wurde früher in vielen Produkten integriert. Bis zu ihrem Verbot war die «Wunderfaser» beispielweise in Abwasserrohren, Brandschutzanstrichen, Bügeleisen, Handschuhen, Heizkissen, Toastern, Overhead-Projektoren und vielen anderen Produkten zu finden. Asbesthaltige Erzeugnisse und Gegenstände durften gemäss der 1989 gültigen Verordnung über umweltgefährdende Stoffe (StoV) ab folgenden Zeitpunkten nicht mehr abgegeben oder als Handelsware eingeführt werden:

1. Januar 1991

  • Grossformatige ebene Platten und Wellplatten
  • Rohre für die Hausentwässerung
  • Filter und Filterhilfsmittel für die Herstellung von Getränken

1. Januar 1992

  • Reibbeläge für Motorfahrzeuge, Maschinen und Industrieanlagen

1. Januar 1995

  • Druck und Kanalrohre
  • Ersatzreibbeläge für Motorfahrzeuge, Schienenfahrzeuge, Maschinen und Industrieanlagen mit besonderen Konstruktionsverhältnissen
  • Zylinderkopfdichtungen für ältere Motortypen
  • Statische Flachdichtung und dynamische Packungen für Anwendungen mit höchsten Ansprüchen
  • Feinst- und Entkeimungsfilter für die Herstellung von Getränken und Arzneimitteln
  • Diaphragmen für Elektrolyseprozesse

1. März 1990

  • Alle anderen asbesthaltigen Erzeugnisse und Gegenstände

Elektroschaltanlagen

Grundsächlich gibt es heute keine Pflicht, asbesthaltige Materialien aus Gebäuden zu entfernen. Ausser die Gesundheit von Menschen sei durch Freisetzung von Fasern akut gefährdet. Das Asbestverbot gilt seit 1990.

Bei der Bearbeitung gilt es, zwei Aspekten Rechnung zu tragen. So ist der Schutz der Arbeitnehmer und der Schutz der Öffentlichkeit (im Fall der Elektriker der Kunde) sicherzustellen. Für diese beiden Gruppierungen gelten unterschiedliche Grenzwerte. Für den Schutz der Arbeitnehmer gilt der MAK-Wert (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) von 10'000 lungengängigen Arbeitsfasern (LAF) pro Kubikmeter Luft. Für die Öffentlichkeit gilt der Wert von 1'000 LAF/m3.

Die SUVA hat beim Bearbeiten (Auswechseln von Zählern) und beim Ersetzen (Ausbauen) von asbesthaltigen Eternitplatten Messungen durchgeführt. Die Werte lagen deutlich über dem MAK-Wert und den 1'000 LAF/m3. Dies bedeutet, dass Massnahmen ergriffen werden müssen, um eine Kontamination des Gebäudes und eine hohe Belastung der Arbeitnehmer zu verhindern. Bohren, sägen, schleifen und Tätigkeiten dieser Art sind zu unterlassen.

Folgende Massnahmen müssen getroffen werden:

  1. Da Asbest krebserzeugend ist, gilt es, nicht nur den Grenzwert einzuhalten, sondern zu versuchen, diesen deutlich zu unterschreiten. Dies wird erreicht, indem die Arbeitnehmer bei diesen Arbeiten Schutzmasken des Typs P3 tragen. Diese Schutzmasken sind den Arbeitnehmern kostenlos zur Verfügung zu stellen. Sie werden beispielsweise von 3M (Atemschutzmaske 8835 FFLPJ oder G332 FFP3) hergestellt und sind bei Elektrogrossisten oder bei diversen spezialisierten Firmen erhältlich.
  2. Die Ausbreitung des Staubes ist an der Quelle zu verhindern. Am besten wird dies unter Zuhilfenahme eines Industriesaugers mit H-Filter (Staubklasse H gemäss EN 60335-2-69, mit Zusatzanforderung Asbest) erreicht. Es dürfen keine handelsüblichen Hausstaubsauger verwendet werden, da diese den feinen Staub wieder in die Luft blasen. Auch Nässen und Befeuchten helfen, die Staubmenge zu reduzieren bzw. den Staub zu binden.
  3. Handelt es sich bei den Platten in den Elektroverteilkästen nicht um festgebundenen Asbest wie bei den Eternitplatten, sondern um schwachgebundenen wie bei den sogenannten Pical-Platten, so darf nichts daran gemacht werden. In diesem Fall muss eine spezialisierte Firma beigezogen werden, die diese fachgerecht entsorgt. Elektroinstallateure dürfen einen einzelnen SGK mit schwachgebundenem Asbest mit einer Fläche von <= 0,5 m2 nur demontieren, wenn sie die durch die SUVA und den VSEI angebotene Ausbildung absolviert haben und die Demontage ohne Zerstörung des SGK möglich ist.
  4. Die Mitarbeiter müssen über das Vorgehen instruiert werden, am besten wird eine schriftliche Arbeitsanweisung abgegeben. Bei der Instruktion kann das Merkblatt «Asbest erkennen – richtig handeln» behilflich sein.
  5. Die Entsorgung von ausgebautem asbesthaltigem Material hat nach den Bestimmungen der kantonalen Behörden zu erfolgen.

Asbestverdacht

Der Produktionszeitpunkt oder die Einbauzeit und die Art des Produkts können Hinweise auf das Vorhandensein asbesthaltiger Bauprodukte liefern. Bei Asbestverdacht ist vor allem Vorsicht und Bedachtheit am Platz. Wer eigenhändig asbesthaltige Materialien herausreisst, kann sehr viele Asbestfasern freisetzen, die ihn und seine Mitmenschen einem hohen Gesundheitsrisiko aussetzen. Eine nach Vorschrift entnommene Probe muss in einem spezialisierten Labor analysiert werden, um abzuklären, ob verdächtige Baumaterialen Asbest enthalten. Eine Liste dieser Labors befindet sich auf der Homepage der Suva.

Haftung

Grundsätzlich ist bei einer Verunreinigung durch Asbest der Unternehmer gemäss Art. 41 OR haftbar. Wer einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus Fahrlässigkeit, wird zu Schadenersatz verpflichtet. Verursachen die Arbeitnehmer bei Bauarbeiten einen Schaden, wird der Unternehmer gem. Art. 55, Abs. 1 OR gegenüber dem Bauherrn haftbar. Ein solcher Schaden kann z.B. durch unsorgfältigen Umgang mit Asbest, der eine Verunreinigung eines Gebäudes zur Folge hat, entstehen. Der Unternehmer kann sich nur von der Haftung befreien, wenn er nachweist, dass er alle den Umständen nach gebotene Sorgfalt angewendet hat, um einen Schaden dieser Art zu vermeiden, oder dass der Schaden trotz dieser Sorgfalt eingetreten wäre. Die Haftung ist besonders zu beachten, da verschiedene Haftpflichtversicherer eine Leistungspflicht bei Schäden mit Asbest ausschliessen. Es ist deshalb wichtig, bereits bei Vertragsabschluss eine Haftung bei durch Asbest verursachten Schäden gegenüber dem Bauherrn auszuschliessen.